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Dass Bewegung gesund sein soll, ist mittlerweile ein alter Hut. Die Frage ist, warum ist Bewegung gesund? Denn die Beantwortung dieser Frage kann viel verändern, in unserem Verständnis von uns, aber vor allem auch für unseren Umgang mit uns selbst. Denn die Frage nach den Wirkungen von Sport und Bewegung haben auch einen direkten Einfluss darauf, wie Bewegung und Sport sein müssen, um uns fit oder um uns gesund zu halten.
Manche Forscher glauben, die Muskeln sind nach unserem Gehirn das komplexeste Organ. Früher dachte man, dass Muskulatur nur dazu da sei, den Körper von A nach B zu bewegen, und dass Muskeln relativ abgeschlossene Einheiten seien. Mittlerweile sprechen Sportwissenschaftler davon, dass wir vor einem Jahrzehnt des Muskels stehen.
Der Grund: Muskeln sind keine passiven Befehlsempfänger, die Nervensignale unter Energieverbrauch in Kontraktion umwandeln, wodurch im komplexen Zusammenspiel Bewegung resultiert. Heute weiß man, dass Muskeln auch aktiv Signale an den ganzen Organismus aussenden, die vielfältige Wirkungen haben.
So produzieren tätige Muskeln zum Beispiel einen Botenstoff namens Interleukin 6, der über den Blutkreislauf in den ganzen Körper gelangt. Interleukin 6 (IL-6) hemmt nach neuen Erkenntnissen TNF-alpha. Das ist gut, denn TNF-alpha ist entscheidender Akteur bei vielen Entzündungen im Körper und an der Entstehung vieler chronischer Krankheiten beteiligt. Ergebnis: Bewegung hilft gegen Bluthochdruck, Zucker- und Herzkrankheit, Brust- und Darmkrebs, Osteoporose und Depression. I
m Fall der Depression ist der Zusammenhang anders, und daran sieht man, wie eng Körper und Geist zusammenhängen. Sehr interessant ist nämlich, dass Muskeln BDNF produzieren. BDNF wiederum spielt eine Rolle beim Erhalt alter und beim Aufbau neuer Nervenzellen. Demenz und Depression gehen mit einem niedrigen BDNF-Spiegel einher. Bewegung hat also einen direkten Einfluss auf Depression, und damit auf unser psycho-physisches Wohlbefinden. Und mehr: 70-Jährigen, die 20 Jahre lang im Schnitt 50 Kilometer pro Woche gelaufen waren, fiel die gleiche Intelligenzleistung leichter als Untrainierten. Es gibt also eine direkte Beziehung zwischen körperlicher und geistiger Beweglichkeit.
Muskeln sind also die wesentlichen Verursacher für die gesundheitsfördernde Wirkung von Bewegung. Heißt das also, dass Jogging out und Krafttraining das Maß aller Dinge ist, um gesund zu bleiben? Die GEO zog in ihrer Ausgabe vom Juli 2009 genau diesen Schluss und empfahl allen Sportlern hochintensives Training. Zu einem anderen Schluss kommt das ZEIT Magazin Wissen vom Juli 2007. Dort wird zwischen fit und gesund unterschieden; mäßige Bewegung fördere die Gesundheit nachhaltiger als intensives Training. Dafür aber nicht die Fitness. Nicht die Muskelmasse, vielmehr die Muskelfunktion sei entscheidend; daher könne man auch nicht sagen, ob Radfahren, Schwimmen oder Laufen gesünder sei. Zudem gibt es große individuelle Unterschiede und sogar untrainierbare Personen. S
oweit ich persönlich die Debatte verfolgt habe, empfehlen Sportwissenschaftler der Universität Köln weiterhin Ausdauertraining, das nur im Spitzensport durch hochintensives Training ergänzt werden solle. Denn Ausdauertraining als Grundlage erhöht die Durchblutung der Muskulatur, stärkt den Herzmuskel und hat weitere positive Effekte wie die Erhöhung der Sauerstoffaufnahmefähigkeit. Aus Quan Dao-Perspektive ziehe ich jedoch den Schluss: Da die Muskelfunktion entscheidend ist und Quan Dao-Training durch sehr unterschiedliche Bewegungsabläufe vielfältige Muskelgruppen beansprucht, und wir die Körper-Geist-Verbindung auf sehr abwechslungsreiche Weise stärken, spricht zumindest nichts gegen, aber doch einiges für die nachhaltige, gesundheitsfördernde Wirkung von Quan Dao.
Harald von Aschoff
Links zum Thema:
http://www.hamburger-sport-kongress.de/uploads/media/Vortrag_Muskeln_1_.pdf http://www.focus.de/gesundheit/news/richtig-laufen-und150-richtig-fit-sport-auf-rezept_aid_201088.html
http://www.elan-fitness.de/index.php?article_id=273 http://www.geo.de/GEO/import_nicht_zugeordnet/3590.html http://www.geo.de/GEO/heftreihen/geo_magazin/60993.html
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